Resonanzkatastrophe

Anhand von scheinbar simplen, auf den zweiten Blick jedoch von ebenso kritischen Spannungen wie trockenem Humor durchzogenen Objekten entwickeln Merlo und Rosenthal in dieser Ausstellung eine einzigartige Sprache.

Man könnte ihre Objekte auch als „autonom“ bezeichnen – beziehen sie sich doch so wenig wie möglich auf Elemente außerhalb ihrer eigenen Wirklichkeit. So haben etwa jener mechanischer Arm, jenes Wandstück, die sich vor- und zurückbewegen, keinen anderen Existenzgrund als ihre eigene, repetitive Bewegung.

Obwohl relativ gut in die Räumlichkeiten der Fri Art integriert, repräsentieren die von Merlo und Rosenthal entworfenen Werke keinen architektonischen Eingriff in situ. Jedes einzelne könnte bewegt werden, könnte in anderen Ausstellungsräumen existieren. Allen liegt eine ähnliche Ambiguität zugrunde: Die Glocken-Mobiles werden nie klingen; eine Säule versperrt dem Zuschauer den Weg, gibt mittels eines Lochs aber dennoch eine Ansicht frei; die Fensterläden werden die beiden Räume der Fri Art, vor denen sie angebracht sind, niemals ganz verdunkeln; und so weiter.

Die verschiedenen Objekte sind zugleich autonom und miteinander verbunden. Ein Netz aus Resonanzen und diskreten Referenzen, die mit den Räumen der Kunsthalle in Dialog treten, lädt den Betrachter zur Erforschung ein. So ist die Säule ein Echo der Deckenpfeiler , dient aber – aufgrund ihres Lochs – auch der Beobachtung eines von den beiden Künstlern gezeichneten Flecks. Und der Linearmotor verweist als kinetische Anspielung nicht nur auf die beiden hängenden Mobiles, sondern auch auf den Flur zu jenem Saal, in dem er sich befindet.

Die beiden Künstler breiten ein Bündel von Indizien aus, doch das ‚Aufsammeln’ erlaubt keine sichere Schlussfolgerung. Die Untersuchung erweist sich als ebenso vergeblich wie die repetitive Bewegung eines motorisierten Wandstück. Und doch zeigt sich in jedem einzelnen Objekt eine gewisse Kohärenz. Das Mobile entspricht zwar der Definition, hält aber nicht, was es verspricht; die ffnung der Säule bietet keine besonders spektakuläre Perspektive. Warum ein so großes Objekt für einen so kleinen Effekt? Die Öffnung dirigiert den Blick des Betrachters auf die Zeichnung eines Flecks, den man ohnehin viel besser sehen kann, wenn man sich ihm nähert. Nichts an diesen Dispositiven ist wirklich unlogisch oder irrational – und doch scheint alles vollkommen absurd. Oder anders gesagt: Diese Objekte, Bewegungen und dieses unendliche Hin und Her bedeuten nicht mehr und nicht weniger als sich selbst.

Mit der Unterstützung von:

Agglomération de Fribourg
Canton de Fribourg
Kanton Zürich, Fachstelle Kultur
Liip AG
Loterie Romande
Ville de Fribourg
Pro Helvetia, Fondation suisse pour la culture
Fondation Nestlé pour l’art
Migros pour-cent culturel

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